Geschichte
Geschichte der IGBD
Die Geschichte der organisierten Tätigkeit der Islamischen Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland beginnt mit der Gründung der ersten Gemeinden Ende der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die erste offiziell registrierte Gemeinde war die Gemeinde Aachen, gegründet am 19. November 1978. Seitdem wurden in ganz Deutschland Gemeinden gegründet, in denen das religiöse Leben der bosniakischen Muslime organisiert wurde.
Ein starkes Wachstum der Anzahl neu gegründeter Gemeinden erfolgte insbesondere Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts. Während der Aggression gegen Bosnien und Herzegowina (1992–1995) fanden viele Bosniaken, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden, Zuflucht in der Bundesrepublik Deutschland. Deutschland als Staat nahm sie auf und versorgte sie, während ihnen die Gemeinden geistige Zuflucht und eine Verbindung zur Heimat boten.
Die wachsende Zahl von Bosniaken in Deutschland sowie die steigende Anzahl an Gemeinden (mehr als sechzig) führten zum Bedarf nach koordinierter Arbeit und der Einrichtung einer Dachinstitution der Islamischen Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland.
Am 10. Januar 1994 ernannte der damalige Reis-ul-ulema Mustafa Cerić zu diesem Zweck Mustafa ef. Klanco zum Hauptimam der IGBD und Hamza ef. Subašić zu seinem Stellvertreter. Damit begann der Prozess der Gründung der Dachgemeinschaft, und am 19. Oktober desselben Jahres fand in Dortmund unter großer Beteiligung von Imamen, Gemeindevorsitzenden und Aktivisten die Gründungsversammlung statt. Es wurden die notwendigen Dokumente verabschiedet und die Dachorganisation der Gemeinden in Deutschland, VIGB e.V., ins Leben gerufen.
Von da an wurde aktiv an der internen Organisation der Gemeinschaft gearbeitet, unter anderem durch die Vernetzung der Gemeinden, die Einführung von Regionen und Regionalimamen, die Bildung eines engeren und erweiterten Rates des Hauptimams sowie die Einrichtung der Versammlung der IGBD. In dieser Struktur arbeitete die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland bis zum Jahr 2007, als auf Vorschlag des Reis-ul-ulema durch Beschluss des Rates der IZ in Bosnien und Herzegowina das Muftiat für Deutschland gegründet wurde. Zum ersten Mufti wurde der bisherige Hauptimam Mustafa ef. Klanco ernannt, der dieses Amt bis 2011 ausübte. In den folgenden zwei Amtszeiten wurde Pašo ef. Fetić zum Mufti der IGBD ernannt. In dieser Zeit wurden bestimmte strukturelle Veränderungen innerhalb der Gemeinschaft vorgenommen. Es wurde ein Präsident der Gemeinschaft gewählt, zunächst Dr. Nedim Makarević, der bald darauf von Edin Atlagić abgelöst wurde. Im Jahr 2016 wurde Edin Atlagić zum Vorsitzenden des Rates, später der Versammlung der IGBD, gewählt. Anstelle der bisherigen Regionen wurden Landesverbände als mittlere Ebenen in der Struktur der Gemeinschaft eingerichtet. Die Arbeit an der administrativen und rechtlichen Ordnung der Gemeinschaft wurde intensiviert, ein neuer gemeinsamer Gemeinde-Statut sowie weitere strategische Dokumente wurden verabschiedet, um die innere Struktur der Gemeinschaft zu stärken.
Im Jahr 2018 beschloss der Rat der Islamischen Gemeinschaft in Bosnien und Herzegowina die Gründung des Muftiats für Westeuropa. Dieses Amt übernahm Mufti Osman ef. Kozlić, der gleichzeitig die Funktion des Hauptimams und Präsidenten der IGBD übernahm. Mufti Kozlić blieb bis 2020 in dieser Position, als auf Vorschlag des Reis-ul-ulema Husein ef. Kavazović Dr. Halim ef. Alibašić zum kommissarischen Hauptimam ernannt wurde, mit den Assistenten Hamid ef. Pintol und Asim ef. Jelovac.
Anfang 2022 wurde Halim ef. Alibašić vom Reis-ul-ulema offiziell als Hauptimam der IGBD bestätigt. Zum Vorsitzenden des Vorstandes wählte die Versammlung der IGBD Herrn Mag. Zenahir Mraković sowie sieben weitere Mitglieder. Anfang 2022 koordinierte die IGBD die Arbeit von rund achtzig Gemeinden in Deutschland. Es ist ein deutlicher Trend zur Gründung neuer Gemeinden in Deutschland zu beobachten, was neue Herausforderungen mit sich bringt und ein engagierteres Arbeiten an einer besseren Institutionalisierung und Kohärenz der Gemeinschaftsarbeit erfordert sowie eine kontinuierliche Fürsorge für die spirituellen, humanitären und anderen Bedürfnisse ihrer Mitglieder und aller Menschen, die Hilfe benötigen.
Die IGBD bemüht sich, im Einklang mit den Gesetzen der Bundesrepublik Deutschland, den Möglichkeiten des freien und demokratischen Umfelds und den Anforderungen der heutigen Zeit den religiösen und nationalen Identitätsrahmen der Bosniaken zu schützen, zu bewahren und weiterzuentwickeln, und gleichzeitig auch allen anderen Menschen beizustehen. Dies kam besonders während der Aggression gegen Bosnien und Herzegowina zum Ausdruck, als die Gemeinden in Deutschland, auch über die Dachorganisation IGBD, große Hilfe für die Heimat und das notleidende Volk leisteten.
Heute ist die Arbeit der IGBD diesem Ziel gewidmet und zeigt sich in zahlreichen humanitären und gemeinnützigen Projekten, darunter verschiedene Unterstützungsmaßnahmen durch Stipendien für Schüler und Studierende in Deutschland, Bosnien und Herzegowina sowie dem Sandžak, regelmäßige Hilfe für humanitäre Organisationen, Vereine und zahlreiche Einzelpersonen. Ihren Beitrag leistet die IGBD auch durch Hilfeleistungen weltweit, insbesondere bei allgemeinen Katastrophen und Notlagen, die Menschen heute treffen. Die IGBD bleibt ihrem Ziel treu: der Gesellschaft und ihrer Umgebung zu dienen und beizustehen.