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GEMEINSAME ERKLÄRUNG DES BAYERISCHEN „DIALOGFORUMS RELIGION UND INTEGRATION“

GEMEINSAME ERKLÄRUNG DES BAYERISCHEN „DIALOGFORUMS RELIGION UND INTEGRATION“
GEMEINSAME ERKLÄRUNG DES BAYERISCHEN „DIALOGFORUMS RELIGION UND INTEGRATION“ GEMEINSAME ERKLÄRUNG DES BAYERISCHEN „DIALOGFORUMS RELIGION UND INTEGRATION“ GEMEINSAME ERKLÄRUNG DES BAYERISCHEN „DIALOGFORUMS RELIGION UND INTEGRATION“ GEMEINSAME ERKLÄRUNG DES BAYERISCHEN „DIALOGFORUMS RELIGION UND INTEGRATION“
Quelle: Bayerisches Staatsministerium des Innern

Bayerns Innen- und Integrationsminister Joachim Herrmann hat gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Religionsgemeinschaften die „Gemeinsame Erklärung“ des Dialogforums Religion und Integration vorgestellt.

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Die Erklärung setzt ein deutliches Zeichen für ein friedliches und konstruktives Miteinander, für Demokratie, gelingende Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Im Rahmen der Beratungen waren sich alle Beteiligten einig, dass der interreligiöse Dialog eine zentrale Bedeutung für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft und die Stärkung der Demokratie hat. Dieses gemeinsame Verständnis wurde in der Erklärung festgehalten. „Der heutige Anlass ist ein Meilenstein in der Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des Dialogforums und bedeutet mir auch persönlich sehr viel. Mein Dank gilt allen, die sich mit großem Engagement an den Diskussionen, der Erarbeitung der Erklärung und der Suche nach verbindenden Formulierungen beteiligt haben“, erklärte Herrmann.
Der Minister zeigte sich stolz auf die verabschiedete Erklärung. Sie verdeutliche den gemeinsamen Einsatz aller Unterzeichnerinnen und Unterzeichner gegen Hass, Hetze und Diskriminierung. Zugleich bekräftige sie die klare Ablehnung von Antisemitismus, Muslimfeindlichkeit sowie jeder Form von Intoleranz gegenüber Menschen mit religiösem Bekenntnis.
Das Dialogforum bringt Vertreterinnen und Vertreter von Religionsgemeinschaften, Hochschulen, Einrichtungen des interreligiösen Dialogs sowie aus Verwaltung und Politik zusammen. Es bietet eine Plattform für Begegnung und Austausch auf Augenhöhe und fördert einen offenen, ehrlichen und konstruktiven Dialog. Damit leistet das Forum einen wichtigen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben in einer zunehmend vielfältigen Gesellschaft.

Im Folgenden geben wir die Erklärung des Imams der Gemeinde Penzberg, Benjamin Idriz, wieder, die er bei dieser Gelegenheit den Teilnehmern dieser wichtigen Veranstaltung vorgetragen hat.


Statement von Imam Benjamin Idriz

Vorstellung der Gemeinsamen Erklärung des Bayerischen Dialogforums Religion und Integration

Sehr geehrter Herr Staatsminister Herrmann,

sehr geehrter Herr Landesbischof Kopp,
sehr geehrter Herr Bischof Dr. Meier,
sehr geehrter Herr Rabbiner Dray,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Religionsgemeinschaften,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

soweit ich es überblicken kann, ist Ihre Initiative, Herr Staatsminister, in dieser Form einzigartig in Deutschland. Dafür möchte ich Ihnen im Namen vieler Muslime in Bayern herzlich danken.

Sie haben nicht nur Vertreter verschiedener Religionen an einen Tisch gebracht. Sie haben gezeigt, dass Politik Brücken bauen kann. In einer Zeit, in der vielerorts Gräben vertieft werden, haben Sie Räume der Begegnung geschaffen. Das verdient großen Respekt und Anerkennung.

Die heutige Erklärung ist deshalb weit mehr als ein gemeinsames Papier. Sie ist ein Manifest des Vertrauens, ein Meilenstein für den interreligiösen Dialog in Bayern und zugleich ein Signal weit über die Grenzen unseres Bundeslandes hinaus.

Natürlich gibt es Menschen, die einer solchen Initiative skeptisch oder ablehnend gegenüberstehen. Manche leben geradezu von der Konfrontation. Manche gewinnen Aufmerksamkeit, indem sie Ängste schüren und unsere Gesellschaft polarisieren. Umso wichtiger ist diese Initiative. Sie setzt ein Zeichen zur richtigen Zeit – für Bayern und weit darüber hinaus.

Meine Damen und Herren,

wenn wir heute über den interreligiösen Dialog sprechen, dann sprechen wir nicht über ein Randthema religiöser Gemeinschaften. Wir sprechen über die Zukunft unserer Gesellschaft. Denn jede Gesellschaft steht und fällt mit ihrer Fähigkeit zum Dialog.

Wir befinden uns im Juli – dem Monat, in dem wir an den Genozid von Srebrenica erinnern. Dieses Gedenken ist weit mehr als eine Erinnerung an die Vergangenheit. Es ist ein Auftrag für die Gegenwart. Solche menschlichen Tragödien verpflichten uns, niemals zuzulassen, dass Vorurteile, Hass und Entmenschlichung den Platz von Begegnung, Vertrauen und Menschlichkeit einnehmen. Denn jeder Genozid beginnt nicht mit Waffen. Er beginnt dort, wo Menschen aufhören, den anderen als Menschen zu sehen.

Demokratien zerbrechen deshalb nicht zuerst daran, dass Menschen unterschiedlicher Meinung sind. Unterschiedliche Meinungen hat es immer gegeben. Gefährlich wird es erst dann, wenn Menschen aufhören, miteinander zu sprechen. Wenn Misstrauen größer wird als Vertrauen. Wenn Vorurteile das persönliche Kennenlernen ersetzen. Und wenn Identitäten wichtiger werden als Menschlichkeit.

Genau deshalb ist diese gemeinsame Erklärung mehr als ein symbolisches Dokument. Sie ist ein Bekenntnis zu einer Haltung, die unsere Gesellschaft heute dringender braucht denn je.

Als Muslim bewegt mich dabei ein Gedanke des Korans besonders. Dort heißt es, dass Gott die Menschen zu verschiedenen Völkern und Gemeinschaften gemacht hat, damit sie einander kennenlernen.

Darin liegt eine tiefe Weisheit.

Wer den anderen kennenlernt, beginnt ihn zu verstehen.

Wer versteht, verliert die Angst.

Vielfalt ist aus islamischer Sicht kein Problem, das gelöst werden muss. Sie ist gottgewollte Wirklichkeit und zugleich eine gemeinsame Verantwortung.

Dialog bedeutet deshalb nicht, Unterschiede zu beseitigen. Dialog bedeutet, Unterschiede auszuhalten, ohne die Würde des anderen infrage zu stellen.

Gerade darin besteht heute vielleicht unsere größte gesellschaftliche Herausforderung.

Wir leben in einer Zeit, in der viele Diskussionen nicht mehr geführt werden, um den anderen zu verstehen. Oft geht es nur noch darum, den anderen zu widerlegen oder moralisch zu besiegen. Wer nur noch überzeugen will, hört irgendwann nicht mehr zu. Wer nicht mehr zuhört, kann auch nichts mehr lernen. Und wo niemand mehr lernt, entsteht Stillstand.

Ich glaube deshalb, dass echter Dialog immer mit Demut beginnt – mit der Bereitschaft anzuerkennen, dass niemand die ganze Wahrheit besitzt und dass wir den anderen brauchen, um den eigenen Horizont zu erweitern. Diese Haltung verbindet religiöse Menschen oft stärker als manche politischen oder weltanschaulichen Unterschiede.


Meine Damen und Herren,
gerade in den vergangenen Jahren wurde unser Miteinander auf eine harte Probe gestellt. Der Krieg im Nahen Osten hat tiefe Wunden hinterlassen. Er hat Emotionen ausgelöst, Ängste verstärkt und auch Beziehungen zwischen unseren Gemeinschaften belastet.

Es wäre unehrlich, so zu tun, als hätte uns das nicht getroffen.

Aber gerade in solchen Zeiten entscheidet sich, wie ernst wir den Dialog wirklich meinen.

Dialog beweist sich nicht in Zeiten der Harmonie.

Dialog beweist sich dort, wo Schmerz, Enttäuschung und unterschiedliche Sichtweisen aufeinandertreffen.

Der einfachste Weg wäre gewesen, einander aus dem Weg zu gehen.

Der schwierigere – und deshalb richtigere – Weg besteht darin, im Gespräch zu bleiben.

Denn Schweigen löst keine Konflikte.

Kontaktabbruch schafft keinen Frieden.

Wer den Dialog beendet, überlässt das Feld den Lautesten und den Radikalsten.

Deshalb möchte ich heute einen Satz aussprechen, der mir persönlich sehr wichtig geworden ist:

Dialog ist keine Strategie. Dialog ist eine moralische Verpflichtung.

Nicht weil wir immer einer Meinung sein werden.

Sondern weil wir gemeinsam Verantwortung für dieselbe Gesellschaft tragen.

Gerade wir religiösen Verantwortungsträger dürfen nicht zulassen, dass Konflikte aus anderen Teilen der Welt das Zusammenleben in Bayern vergiften.

Unsere Aufgabe besteht nicht darin, Konflikte zu importieren.

Unsere Aufgabe besteht darin, Vertrauen zu schaffen.

Wir müssen Räume eröffnen, in denen Menschen einander begegnen, bevor sie übereinander urteilen.

Denn Vorurteile leben von Distanz.

Vertrauen entsteht durch Nähe.

Und Extremismus beginnt dort, wo Begegnung endet.

Meine Damen und Herren,

ich denke heute besonders an die junge Generation.

Sie hört nicht zuerst auf unsere Erklärungen.

Sie beobachtet unser Verhalten.

Wenn junge Menschen sehen, dass ein Rabbiner, ein katholischer Bischof, ein evangelischer Landesbischof, ein Imam und Vertreter unseres demokratischen Staates gemeinsam an einem Tisch sitzen – obwohl sie nicht in allem übereinstimmen –, dann lernen sie etwas Wesentliches:

Dass Unterschiedlichkeit keine Bedrohung sein muss.

Dass Respekt stärker ist als Misstrauen.

Dass ein friedliches Miteinander nicht auf Gleichheit beruht, sondern auf der Bereitschaft, einander zuzuhören und voneinander zu lernen.

Und dass Demokratie nicht vom Gleichdenken lebt, sondern von der Fähigkeit, mit Unterschiedlichkeit friedlich und respektvoll umzugehen.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft des heutigen Tages:

Dass wir trotz unserer Unterschiede gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Verantwortung für die Würde jedes Menschen.

Für die Religionsfreiheit.

Für unsere Demokratie.

Und für ein Bayern, in dem niemand wegen seines Glaubens Angst haben muss.

Ich wünsche mir, dass die heute unterzeichnete Erklärung nicht das Ende eines Prozesses markiert, sondern dessen Anfang.

Dass aus Worten Begegnungen werden.

Aus Begegnungen Vertrauen.

Und aus Vertrauen eine widerstandsfähige Gesellschaft, die auch in schwierigen Zeiten zusammenhält.

Ich danke Ihnen herzlich.

Die gesamte Erklärung mit allen Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern kann hier eingesehen werden.

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