Die Ahdnama – Ein europäischer Rechtsakt

Mit Papst Franziskus empfing der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan das erste ausländische Staatsoberhaupt im neuen Präsidentenpalast. Dem Oberhaupt der Katholischen Kirche überreichte er in diesem Zusammenhang ein wertvolles und symbolträchtiges Geschenk. Ein Bild, auf dem die „Ahdnama-Urkunde“ abgebildet ist.

Erdogan_Papst

Vor genau 551 Jahren, nach Eroberung des damaligen slawischen Königreichs Bosnien, überreichte Sultan Mehmed II. „Fatih (der Eroberer)“ den bosnischen Franziskanern die „Ahdnama“.

Die Ahdnama stellte zu Zeiten des Osmanischen Reiches eine schriftliche Urkunde dar, mit der allseits verbindliche Rechtserlasse der damaligen Reichsoberhäupter verkündet wurden. Sultan Mehmed II. überreichte eine solche Urkunde dem Franziskanerpater Andjel Zvizdovic im Jahre 1463 auf dem Milodraz bei Kiseljak. Mit der Ahdnama wurden den Katholiken im damaligen Bosnien volle Religions, Eigentums- und Bewegungsfreiheit zugesichert. Bevor der Erlass durch Mehmed II. verfasst wurde, wandte sich Pater Zvizdovic an den Sultan. Er wandte sich an ihn mit dem Ersuchen, dass den Katholiken Leib und Leben sowie freie Religionsausübung garantiert wird. Im Gegenzug versprach er dem Sultan, dass dieser „geachtet werden würde, wie die bosnischen Könige“. Als Zeichen der Achtung streifte der Sultan Pater Zvizdovic sein Gewand über. Eine ähnliche Urkunde überreichte Mehmed II. auch dem Patriarchen von Konstantinopel, Gennadios II. Scholarius, 10 Jahre zuvor. Die Ahdnama wird heute im Franziskanerkloster im kleinen bosnischen Städtchen Fojnica aufbewahrt und kann dort besichtigt werden.

In der heutigen Zeit stellen Toleranz, Vielfalt und Pluralismus universelle Werte dar, die kennzeichnend sind für westliche Zivilisationen und Staatsformen. Vor mehr als fünf Jahrhunderten war es ein wahrlich islamisch denkender und handelnder Staatsmann, der diese Werte auch auf dem Europäischen Kontinent zum Ausdruck brachte und lebte. Er handelte damit getreu islamischen Grundprinzipien, die wiederrum Jahrhunderte zuvor durch den Propheten Muhammed (s.a.w.s.) und andere herausragende Persönlichkeiten des islamischen Staatswesens vorgelebt wurden. Die Ahdnama kann damit als wahrlich europäischer Rechtsakt betrachtet werden.

Nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches konnten die einzelnen Völker ihre Nationalstaaten wieder aufleben lassen, da sie ihre Kultur, Religion und Tradition über die Jahrhunderte unter islamischer Herrschaft weg bewahren konnten und durften, ja sogar sollten. Nicht zuletzt ist erwähnenswert, dass es Muslime waren, die jüdisches Leben in Bosnien und Herzegowina und im gesamten Osmanischen Reich durch die Aufnahme der Vertriebenen aus Spanien möglich gemacht haben.

Hierin liegt die Größe des Islam und seiner Prinzipien. Diesen islamischen Grundprinzipien schenken in der heutigen Zeit bestimmte Randgruppierungen, die sich selbst als islamisch deklarieren, keine Bedeutung. Leider finden derartige Tatsachen auch keine Beachtung in der medialen Berichterstattung. Vor allem auch in Deutschland, wie wir dieser Tage anlässlich des Papst-Besuches in der Türkei bemerken konnten.

E.A.

Ahdnama_Papst

Ahdnama_Foto original

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