Islamische Verantwortungsträger verabschieden die „Deklaration von Zagreb“

Zagreb, 26.04.2016 – Anlässlich der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum der Anerkennung des Islam als gleichgestellte Religion in der Republik Kroatien wurde in der kroatischen Hauptstadt Zagreb am 26.04.2016 die Konferenz „Muslime in Europa – Erbe und Zukunft“ abgehalten.

Zagreb

Im Nachgang zur eintägigen Konferenz verabschiedeten die anwesenden geistlichen Oberhäupter der islamischen Religionsgemeinschaften in Europa, die politischen Vertreter in Kroatien sowie die geistlichen Würdenträger aus der islamischen Welt, vor dem Hintergrund und die Tatsachen berücksichtigend:

  • dass Europa jahrhundertelang die gemeinsame Heimat der drei Weltreligionen ist,
  • dass Europa in seiner Geschichte durch viele verschiedene Abschnitte des Zusammenlebens und der Toleranz, aber auch durch große Herausforderungen und schwerste Weltkrisen, geprägt ist,
  • dass sich der Islam an die universellen Werte der Freiheit, Gleichheit, Menschenrechte und Würde des Menschen anlehnt, die er gleichsam mit den Anhängern anderer Religionen und Weltanschauungen teilt,
  • dass im heutigen Europa autochthone europäische Muslime sowie solche Muslime leben, die ein Zuhause in den europäischen Ländern gefunden haben, und die diese Länder als ihre Heimat ansehen,
  • dass der Aspekt des Friedens und der gemeinsamen Sicherheit eine politische und gesellschaftliche Errungenschaft in Europa darstellt,
  • dass es eines europäischen Modells für die Organisation der Muslime bedarf,
  • dass verantwortungslose und böswillige Menschen – die sich als Anhänger und exklusive Deuter des Islam geben – in schwerer Art und Weise die Lehre und die Werte des Islam über die Würde des Menschen, des Miteinanders und der Zusammenarbeit missachtend, an deren Stelle Terror und verbrecherische Ideologien gesetzt haben,
  • dass die Gefahr der Islamophobie und das Aufleben rechtsextremistischer Strömungen immer stärker ausgeprägt ist,
  • dass dem Staat Kroatien Anerkennung ausgesprochen wird, für die Gleichstellung des Islam mit den übrigen Religionen vor 100 Jahren sowie dass im Staat Kroatien ein beispielhaftes Modell für das Organisieren der Muslime entwickelt wurde für das Organisieren der Muslime und das Verhältnis zwischen den muslimischen Minderheitsgemeinschaften zum Staat, womit die Bemühungen um eine Fortentwicklung guter, gegenseitiger Beziehungen gewährleistet ist,

die

DEKLARATION VON ZAGREB

  1. Wir verurteilen jeden terroristischen Akt in der Welt als Verbrechen, die keinen Glauben haben, und die jedes menschliche Wesen und jede Gesellschaft gleichermaßen treffen sowie    unvorhersehbare Folgen für die nachfolgenden Generationen mit sich bringen.
  2. Wir rufen die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union auf, den Islam anzuerkennen, womit   Unterstützung für die Verbreitung des Toleranzgedankens zwischen den Religionen und Anschauungen geleistet wird. Das kroatische Modell dient den übrigen Mitgliedsstaaten als Beispiel für die Regelung der Beziehungen mit den muslimischen Minderheitsgemeinschaften.
  3. Wir rufen dazu auf, dass die Kultur des Dialogs, der Toleranz und der gegenseitigen Achtung auf allen Ebenen der europäischen Gesellschaft ausgebaut und gestärkt wird.
  4. Wir rufen dazu auf, dass der Beschluss der Vereinten Nationen vom 11.04.2011 (Nr. 65/224), der auf Initiative des Wächters der Heiligen Stätten, König Abdullah bin Abdulaziz (möge Gott seiner Seele gnädig sein) ergangen ist, umgesetzt wird, wonach Islamophobie als Straftat gewertet werden soll.
  5. Wir verlangen von den muslimischen Gemeinschaften in Europa und ihren Verantwortlichen eine stärkere Übernahme von Verantwortung sowie eine stärkere Einbringung bei der Achtung europäischer Lebensstandards für alle Bürger der europäischen Gesellschaften.
  6. Wir rufen Imame und Geistliche auf, ihre Reden und Predigten den Erfordernissen an Raum und Zeit anzupassen, damit ihre Botschaften in der Gegenwart verständlich und für die Zukunft ausgerichtet sind.
  7. Wir rufen Muftis, Imame und Glaubensmissionare dazu auf, in der Auslegung der Glaubensvorschriften darauf zu achten, dass die Botschaften auf authentische Art und Weise, im Einklang mit Raum, Zeit und Lebenswirklichkeit der Muslime in Europa vermittelt werden.
  8. Insbesondere rufen wir Imame und Religionslehrer dazu auf, alles dafür zu tun, dass nachfolgende Generationen vor extremistischem Gedankengut und der Verbreitung von Hass gegenüber Anderen und Andersartigen bewahrt werden.
  9. Wir rufen Muslime dazu auf, sich einzubringen in die Bewerbung von Moscheen und Gebetseinrichtungen als Stätten, in denen Botschaften des Miteinanders, der Toleranz und der gegenseitigen Achtung gelehrt und verbreitet werden, und nicht als Stätten von Einseitigkeit, Ausgeschlossenheit und Sektierertum.
  10. Wir rufen die muslimischen Gesellschaften dazu auf, die Deklaration von Marrakesch vom 27.01.2016 über die Rechte der religiösen Minderheiten in den muslimischen Gesellschaften zu verabschieden und zum Leben zu erwecken, im Einklang mit den international übernommenen Verpflichtungen in diesem Zusammenhang.

Zagreb, 26. April 2016

 

(Übersetzung aus dem Kroatischen: EA)

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