Gebete unter goldenem Kronleuchter in Wittener Moschee

Kunstvoll ist die Moschee der Bosnischen Gemeinde, die Mai nächsten Jahres eröffnet werden soll. Schon 490.000 Euro flossen in das imposante Gebäude.

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Prachtvoll, aber nicht zu protzig ist der Kronleuchter, der den Gebetsraum der Bosnischen Moschee an der Breite Straße 5 schmückt. „Der Goldschmied an der unteren Bahnhofstraße hat ihn uns gespendet. Eigentlich wollte er unsere Gebetsteppiche bezahlen. Doch die hatte bereits die Türkische Gemeinde gestiftet“, erzählt Edhem Kadric, Vorsitzender der Bosnischen Gemeinde Witten.

Er hofft, dass das Gebetshaus im Mai komplett fertig ist. „Das wäre optimal. Denn im Juni ist Ramadan, danach kommen die Sommerferien – dann würde sich die Eröffnung bis in den Herbst verschieben. Das möchten wir natürlich nicht.“

Rund 210 Mitglieder aus Witten und Umgebung hat die Bosnische Gemeinde. „Wir sind ein kleiner Verein, aber wir haben große Arbeit geleistet“, findet Kadric. Auch, wenn sich die ursprünglich für Juli 2014 geplante Eröffnung schon mehrfach verschoben hat.

Rund 90 Prozent der Arbeiten haben die Mitglieder und ihre Sponsoren selbst gemacht. Dennoch betrugen die Baukosten bisher bereits etwa 490 000 Euro. „Aber ohne Eigenleistung wäre das gesamte Projekt unmöglich gewesen“, meint der Wetteraner. Und: „Wir haben zum Glück viele Mitglieder, die aus der Baubranche kommen.“

Kronleuchter und Teppiche stammen aus der Türkei

wit2So hätte beispielsweise der Architekt der Wittener Moschee, ein Gemeindemitglied aus Gelsenkirchen, umsonst gearbeitet. Etwa 40 000 Euro seien so eingespart worden. „Und ein anderer Mann aus der Gemeinde, der die Stadtgalerie mitgebaut hat, hat auch zwei unserer Etagen errichtet“, erzählt der Vorsitzende. Die aufwändigen Pflasterarbeiten von etwa 300 Quadratmetern hätte außerdem eine Annener Firma, deren Chef der Gemeinde angehört, gemeinsam mit weiteren Mitgliedern erledigt. Auch dabei seien etwa 25 000 Euro eingespart worden. Nicht zu vergesssen die Dacharbeiten: „Die Dämmung für etwa 35 000 Euro hat uns ein Frankfurter bezahlt, der dort in der Bosnischen Gemeinde ist und eine Firma hat. An mehreren Wochenenden sind dann sechs, sieben seiner Leute hier hoch gekommen und haben für uns gearbeitet“, gibt Kadric ein weiteres Beispiel für das beachtliche Zusammenwirken aller Helfer.

Auch, wenn es noch einiges zu tun gibt, kann man schon jetzt sagen: Es hat sich gelohnt. Besonders eindrucksvoll ist der Gebetsraum mit der gewölbten Kuppel. War sie anfangs noch weiß, so wurde sie inzwischen von einem Künstler aus Remscheid mit blauen und roten Ornamenten sowie mit Schriftzeichen verziert. Abgerundet wird das kunstvolle Ensemble durch den Kronleuchter, der in der Türkei angefertigt wurde. In den meisten anderen Räumen herrscht die Farbe Weiß vor. Dadurch wirkt das gesamte Gebäude luftig und großzügig. Auch die Fassade ist weiß. Bis auf den Sockel, der mit schwarz glänzenden Platten verkleidet ist.

Mit radikalen Moslems will Wittener Gemeinde nichts zu tun haben

Noch mit farbigem Spezialputz wird die Kanzel für den Vorbeter der Gemeinde gestaltet. „Anschließend kommen dann die Gebetsteppiche rein, die ebenfalls aus der Türkei stammen. Sie sind übrigens nicht brennbar“, meint Kadric, auch im Hinblick auf die Brandstiftung in der Türkischen Moschee. Zur Sicherheit wird jene der Bosnier mit mehreren Kameras an verschiedenen Seiten der Fassade ausgestattet.

Drohungen oder Anfeindungen habe es bisher nicht gegeben, so der Gemeindevorsitzende, auch nicht nach den blutigen Anschlägen in Paris: „Wir haben selbst Angst vor solchen Leuten“, sagt Kadric. „Wer so radikal ist, mit dem wollen wir nichts zu tun haben.“

Michael Vaupel

Gebete unter goldenem Kronleuchter in Wittener Moschee | WAZ – derwesten.de

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